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Tilly/Rettig-Stichprobe

Die Tilly/Rettig-Stichprobe (häufig auch als Tilly/Rettig-Datensatz bezeichnet) ist ein bedeutender wirtschaftshistorischer Datensatz zur Erforschung der deutschen Industrialisierung. Er bildet das Investitions- und Finanzierungsverhalten sowie das Wachstum deutscher Großunternehmen – primär Industrie-Aktiengesellschaften – im Zeitraum von 1870/1880 bis 1911/1913 ab. [1, 2, 3, 4]
Erstellt wurden die Daten im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts unter der Leitung des renommierten Wirtschaftshistorikers Richard Tilly (Universität Münster). Die empirische Erhebung und Auswertung der Bilanzdaten basierte maßgeblich auf den Forschungsarbeiten und der Dissertation von Rudi Rettig aus dem Jahr 1978. [1]
 
Kernmerkmale des Datensatzes
    • Untersuchungsgegenstand: Veröffentlichte Bilanzen und Finanzdaten von großen börsennotierten Aktiengesellschaften des Kaiserreichs aus zentralen Branchen wie dem Bergbau, der Eisen- und Stahlindustrie sowie dem Maschinenbau. [1, 2]
    • Ziele der Stichprobe: Analyse der internen und externen Unternehmensfinanzierung (z. B. Rolle von Banken, Einbehaltung von Gewinnen vs. Wertpapieremissionen) während der Hochphase der deutschen Industrialisierung. [1]
    • Historische Relevanz: Die Stichprobe lieferte den quantitativen Gegenbeweis zu älteren Annahmen über die Verteilung von Eigen- und Fremdkapital und zeigte detailliert, wie Großunternehmen ihr Wachstum langfristig über den Kapitalmarkt refinanzierten. [1]

 

Der Datensatz steht der wissenschaftlichen Sekundäranalyse heute über Repositorien wie das GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften zur Verfügung. [1]
 
Dissertation
 
Die der Stichprobe zugrundeliegende Dissertation von Rudi Rettig wurde 1978 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster unter der Betreuung des Professors für Wirtschaftsgeschichte Richard Tilly eingereicht. [1, 2]
Ihr vollständiger Titel lautet:
Das Investitions- und Finanzierungsverhalten deutscher Großunternehmen 1880–1911. [1]
Bedeutung der Arbeit
  • Wissenschaftlicher Durchbruch: Die Arbeit gilt in der deutschen Cliometrie (quantitative Wirtschaftsgeschichte) als Meilenstein. Rettig wertete systematisch historische Unternehmensbilanzen (hauptsächlich aus Salings Börsenjahrbuch) aus, um Investitionsmuster empirisch zu belegen. [1]
  • Internationale Veröffentlichung: Aufgrund ihrer herausragenden wissenschaftlichen Relevanz für die Erforschung des deutschen Corporate-Governance- und Bankensystems wurde die Dissertation 1981 im renommierten New Yorker Verlag Arno Press in einer Buchfassung neu aufgelegt. [1, 2]
Der daraus resultierende Datensatz wird bis heute in vielen nationalen und internationalen Studien als Referenzdatenbasis für das deutsche Kaiserreich genutzt. [1, 2]
 

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Für die wissenschaftliche Einordnung der gesamten Untersuchung (Datenerhebung und Auswertung) siehe:

https://search.gesis.org/research_data/ZA8490

Rettig: https://histat.safe-frankfurt.de/index.php/en/project/details/7479A466C30AAD8BDF14FD154527F69E

Rettig: https://access.gesis.org/dbk/69084

Tilly: https://access.gesis.org/dbk/68977

Mein herzlicher Dank gilt GESIS (Juni 2011, Simone Bubel/Jürgen Sensch) 

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Mit ChatGPT ermittelt:

Erstpublikation

Die Erstpublikation, auf die sich die spätere Bezeichnung „Tilly-Rettig-Stichprobe“ bezieht, lässt sich etwas genauer einordnen:

  • Rudi Rettig: Das Investitions- und Finanzierungsverhalten deutscher Großunternehmen 1880–1911, Dissertation, Universität Münster, 1978. Diese Arbeit bildet die zentrale Datengrundlage.
  • Richard Tilly veröffentlichte ebenfalls 1978 den Aufsatz „Das Wachstum industrieller Großunternehmen in Deutschland 1880–1911“. GESIS weist ausdrücklich darauf hin, dass dieser Beitrag auf den von Rettig erhobenen Daten beruht.

Was bedeutet das für die Urheberschaft?

Die Bezeichnung „Tilly-Rettig-Stichprobe“ ist etwas irreführend, wenn man darunter eine gemeinsam von beiden erstmals veröffentlichte Stichprobe versteht.

Genauer ist:

Rettig erhob und strukturierte die Unternehmensdaten im Rahmen seiner Dissertation (1978); Tilly nutzte diese Daten in seiner 1978 erschienenen Untersuchung zum Wachstum deutscher Großunternehmen.

Die spätere Forschung bezeichnet diese Datengrundlage deshalb häufig verkürzt als Tilly/Rettig-Stichprobe.

Interessant ist außerdem, dass es bei Rettig nicht nur eine Stichprobe gab: GESIS beschreibt sowohl jährliche Zufallsstichproben als auch eine „kontinuierliche Stichprobe“ von 50 Unternehmen, die über längere Zeit verfolgt wurden.


Rettig Dissertation

Die Dissertation von Rudi Rettig ist:

Rudi Rettig (1978): Das Investitions- und Finanzierungsverhalten deutscher Großunternehmen 1880–1911. Dissertation, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

Sie ist für die sogenannte Tilly-Rettig-Datengrundlage wichtig, weil Rettig darin historische Unternehmensdaten systematisch erhoben und ausgewertet hat. Richard Tilly verwendete diese Daten anschließend für seine Untersuchungen zur Entwicklung deutscher Großunternehmen.


Tilly verwendet Stichprobe von Rettig

Ja — Richard Tilly verwendet Daten bzw. eine Stichprobe, die von Rudi Rettig erhoben wurde. Die Quellenlage spricht dafür, dass man die Urheberschaft deshalb sauber trennen sollte:

  • Rettig erhob und strukturierte die Unternehmensdaten im Rahmen seiner Dissertation Das Investitions- und Finanzierungsverhalten deutscher Großunternehmen 1880–1911 (Diss. Münster 1978). GESIS beschreibt ausdrücklich zwei Stichproben: eine jährliche Zufallsstichprobe und eine kontinuierliche Stichprobe von 50 Großunternehmen.
  • Tillys Beitrag von 1978, Das Wachstum industrieller Großunternehmen in Deutschland 1880–1911, stützt sich auf die von Rettig vorliegenden Daten. Das wird von GESIS ausdrücklich so angegeben.
  • Eine spätere Darstellung bezeichnet die entsprechenden Unternehmensdaten deshalb als Tilly/Rettig-Stichprobe. Für den Vergleich der Lohnquote werden dort beispielsweise 9 Aktiengesellschaften für 1887 mit 69,9 % genannt.

Wichtig für deine Formulierung

Wenn du wissenschaftlich präzise sein möchtest, würde ich nicht schreiben:

„Tilly und Rettig entwickelten gemeinsam die Stichprobe.“

Sondern eher:

„Tilly verwendete die von Rudi Rettig erhobenen Unternehmensdaten bzw. dessen Stichprobe für seine Untersuchung der deutschen Großunternehmen.“

Oder noch präziser:

„Die als Tilly-Rettig-Stichprobe bezeichnete Datengrundlage geht auf die von Rudi Rettig erhobenen Unternehmensdaten zurück, die Richard Tilly für seine Untersuchungen zu deutschen Großunternehmen verwendete.“

Das ist deshalb relevant, weil „Tilly-Rettig-Stichprobe“ nicht unbedingt bedeutet, dass beide die Stichprobe gemeinsam konstruiert haben. GESIS nennt Rettig als Principal Investigator der zugrunde liegenden Datensammlung und sagt explizit, dass Tillys Beitrag auf den Daten von Rettig beruht.


welche Stichprobe Tilly tatsächlich verwendet hat

Ja. Die Quellenlage erlaubt eine wichtige Präzisierung: Tilly verwendete tatsächlich die von Rettig aufgebaute kontinuierliche Stichprobe von 50 Großunternehmen – allerdings nicht ausschließlich diese 50 in jedem seiner Beiträge.

1. Die zentrale Stichprobe: 50 Unternehmen

Rettig erhob für seine Dissertation eine kontinuierliche Stichprobe von 50 börsennotierten Großunternehmen, die über den Zeitraum 1880–1911 verfolgt wurden. Eine neuere Studie beschreibt den Datensatz ausdrücklich als „data set collected by Rettig“ und nennt 50 listed corporations between 1880 and 1911. Die Unternehmen wurden so ausgewählt, dass sie die Branchenstruktur der 1900 an der Berliner Börse gelisteten Unternehmen widerspiegelten.

GESIS führt diese Datengrundlage unter ZA8490 und verweist auf Rettigs Dissertation Das Investitions- und Finanzierungsverhalten deutscher Großunternehmen 1880–1911.

2. Tillys eigene Auswertung

Für Tillys Untersuchung zum Wachstum deutscher Großunternehmen ist GESIS besonders eindeutig:

Die Datenbank ZA8455 ist Tillys Studie Das Wachstum industrieller Großunternehmen in Deutschland 1890–1911. Darin gibt es eine Tabelle:

„Durchschnittliche Finanzindikatoren für kontinuierliche Stichprobe von 50 Unternehmen (1880–1911)“

Das zeigt, dass Tilly mit der kontinuierlichen 50-Unternehmen-Stichprobe arbeitete.

 
Dissertation Rettig Urheberrecht
 
Das Urheberrecht an der Dissertation von Rudi Rettig („Das Investitions- und Finanzierungsverhalten deutscher Großunternehmen 1880–1911“, 1978) regelt genau, wie dieses akademische Werk geschützt ist und von Dritten genutzt werden darf. [1]
1. Gesetzlicher Schutz des Textes
Die Dissertation ist als Sprachwerk nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG gesetzlich geschützt.
    • Entstehung: Der Schutz entstand automatisch 1978 mit der Niederschrift. Es bedurfte keines Copyright-Zeichens oder einer Anmeldung.
    • Rechteinhaber: Der alleinige Urheber ist Rudi Rettig. Sein Doktorvater Richard Tilly hat keine Anteile an diesem Urheberrecht, da eine Dissertation zwingend eine selbstständige wissenschaftliche Arbeit sein muss. [1]
    • Dauer: Das deutsche Urheberrecht schützt das Werk bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers (§ 64 UrhG). Die Arbeit ist somit keineswegs gemeinfrei.

Das Verhältnis zur Urheberschaft

Obwohl Richard Tilly als Doktorvater das Thema anregte, die Arbeit methodisch lenkte und durch das Institut finanzielle oder infrastrukturelle Rahmenbedingungen schuf, hatte er keinen rechtlichen Anspruch auf die Urheberschaft der Dissertation. Nach deutschem Urheberrecht verbleibt das schöpferische Recht an Texten, Berechnungen und der finalen Strukturierung der Daten exklusiv beim Doktoranden (Rettig) als alleinigem Urheber.
 

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Chronologie:

(1) April 1974 Aushändigung des Dissertationsthema
    / wissenschaftl. Assistent an der Uni Münster bis Dez. 1976
    / wissenschaftl. Referent beim Leibniz-Institut RWI Essen ab Jan. 1977 
(2) Feb. 1978 Abgabe der nicht gedruckten Dissertation / Rigorosum 
(3) Juni 1978 Veröffentlichung Tilly
      – Verwendung der Daten und Ergebnisse der Dissertation
      – keine Angabe bzgl. Datenquellen und Urheberschaft !!!
(4) Okt. 1978 Veröffentlichung der Dissertation Uni Münster / Promotion 
(5) Juli 1981 Veröffentlichung der Dissertation als Buchausgabe bei Arno Press New York

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Vergleich der Quellen:

Rettig Dissertation:
1978   https://archive.org/details/IA41555408_0011

Tilly Veröffentlichungen:
1978  https://access.gesis.org/dbk/68977
1980  https://www.jstor.org/content/oa_chapter_edited/jj.22361876.8?seq=1